Immunsystem auf Null? Besonders wichtig: Hygiene

Eine Stammzelltransplantation ist oft die einzige Möglichkeit, die Leukämie zu besiegen. Hierfür wird das Immunsystem quasi auf Null gestellt. Geschwächt ist es auch Monate nach dem Klinikaufenthalt noch. Jeder Keim kann zu verheerenden Folgen führen.

Hygiene im Haushalt

Insbesondere während der Einnahme immunsupprimierender Medikamente sollte vermehrt auf Hygiene geachtet werden. Viele Patienten und Angehörige fragen sich daher oft, was nach der Entlassung aus der Klinik zu beachten ist.

Wir haben daher von Patienten für Patienten einige Tipps zusammengestellt  – ausdrücklich ohne Anspruch auf Vollständigkeit:

  • Lassen Sie die Wohnung von Ihren Angehörigen auf möglichen Schimmelbefall untersuchen. Gegebenenfalls ist eine rechtzeitige Sanierung erforderlich. Allerdings sollten auch jegliche Baumaßnahmen vor der Entlassung abgeschlossen sein.
  • Entfernen Sie Topfpflanzen aus den Zimmern, die die Patienten benutzen. Anders sieht es in Angehörigenzimmern, auf dem Balkon und im Treppenhaus aus.
    Patienten sollten keinen Kontakt zu Erde haben. Tipp: Feiern Sie Weihnachten mit einem künstlichen Baum!
  • Reinigen Sie alle Teppiche und Polster mit Schaum, soweit sie sich nicht entfernen lassen. Für die Matratze der Patienten empfiehlt sich oft ein Neukauf. Bei ohnehin relativ neuer Matratze ist auch eine gründliche Reinigung zu erwägen. Gleiches gilt für Kopfkissen und Bettdecken. Die Bettwäsche sollte in engen Abständen gewaschen werden.
  • Im Badezimmer ist ebenfalls höchste Hygiene geboten, Duschvorhänge und Badvorleger sollten auch gewaschen oder ausgetauscht werden. Handtücher sollten grundsätzlich immer frisch sein. Haben Sie auch an den Duschkopf gedacht? Schnell übersieht man, dass sich in den Düsen Keime ansammeln können. Tipp: Lassen Sie vor Gebrauch ein paar Minuten heißes Wasser (Temperatur über 60°) durch die Brause laufen!
  • Dass der Patient mit Hausstaub in Kontakt kommt, sollte vermieden werden.
    Was hier oft übersehen werden kann: Während ein Zimmer gesaugt wird, sollte er/sie sich nicht in dem gleichen Raum aufhalten.
    Und – auch oder gerade wenn lange nicht benutzt: Bücher sind Staubfänger. Manche Angehörigen haben Seite für Seite abgewischt – eine Arbeit, die je nach Größe der Bibliothek sehr mühsam werden kann. Tipp: Räumen Sie Bücher in Kisten zur Seite und holen Sie sie erst nach ein paar Monaten, wenn sich das Immunsystem stabilisiert hat, wieder hervor. Oder kleben Sie die Regale vorübergehend mit Folie zu – dann bleibt die Bibliothek in einer „Vitrine“. Und alles bleibt abwischbar. Im Übrigen eignen sich hier im Handel angebotene Staubmagnet-Tücher bestens zum Reinigen.
  • Auch in der Küche ist größte Hygiene geboten. Wo finden sich die meisten Keime in einem Haushalt?
    Tatsächlich haben verschiedene Studien herausgefunden, dass sich in der Küche die meisten Keime tummeln – weitaus mehr als auf einem WC-Sitz. Schwachstellen sind hier insbesondere die Spül- und Wischlappen und der Kühlschrank.
    Auch bei einer Kochwäsche werden Spüllappen zwar keimreduziert, aber nie keimfrei. Tipp: Verwenden Sie in den ersten Monaten täglich einen neuen Lappen.
    Der Kühlschrank sollte regelmäßig gründlich mit Essigwasser gereinigt werden. Bakterien verbreiten sich gerne, je wärmer es ist. Daher achten Sie darauf, den Kühlschrank kalt genug einzustellen. Tipp: Überschreiten Sie die Temperatur von 7° nicht.
    Küchengeräte und Arbeitsflächen sollten stets gründlich gereinigt sein. Allerdings lässt sich aus hölzernen Gerätschaften die aufgesaugte keimhaltige Flüssigkeit nicht mehr entfernen. Schwierig wird es auch bei Plastik, wenn es schon älter und rissig sein sollte. Tipp: Nutzen Sie zum Kochen und Essen Materialien wie Glas, Metall und Keramik!
Hände waschen nicht vergessen!

Grundsätzlich sollten Sie noch regelmäßiger als normal die Hände waschen. Ein übliches gründliches Händewaschen dauert etwa 30 Sekunden – die Hände sollten wirklich überall eingeseift werden.
Zusätzlich gewöhnen sich viele Patienten an, neben einem Mundschutz immer ein Desinfektionsmittel bei sich zu haben. Dieses kann in der Wohnung auch als Erinnerung zum Desinfizieren dienen. Tipp: Platzieren Sie das Mittel an verschiedenen Stellen in der Wohnung, so dass Sie die notwendige regelmäßige Reinigung nicht übersehen können.

Das Händeschütteln sollte dennoch grundsätzlich vermieden werden. Das wird Ihnen keiner übel nehmen.

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